Die Tücken des Fischfangs

Leider kommt es auch ab und an vor, dass ein lebender Fisch wieder aus dem Riff entfernt werden muss. dasnanoriff muss sich leider von seiner gelben Korallengrundel (Gobiodon okinawae) trennen.

Auch wenn die Grundel eine wahre Bereicherung für das Riff ist, so zeigt sie leider einen unbändigen Appetit auf SPS Korallen und hat meine Seriatopora Caliendrum bereits so weit geschädigt, dass ich nicht sicher bin ob sie sich erholen wird. Bevor jetzt auch noch die anderen SPS zu sehr geschädigt werden wird die Notbremse gezogen und die Grundel kommt in Quarantäne bis ein Abnehmer gefunden ist.

Die Seriatopora Caliendrum weist viele fast kahle Äste auf. Meine gelbe Korallengrundel konnte ich immer wieder dabei beobachten, wie sie Polypen abgezupft hat. Obwohl ich sie 3 mal am Tag gefüttert habe ist dieses Verhalten eher intensiver geworden als dass es abgenommen hätte.

 

Nach langem Ringen ist der Entschluss also gefallen den Fisch zu fangen. Soweit so gut nur wie bekommt ich den putzmunteren, sehr agilen Fisch aus dem Becken?

Erstmal kaufte ich 2 Netze beim lokalen Handel, eines mit 12 cm breite und eines mit 8cm. Also die 8cm Variante ist beim Einfangen nicht zu gebrauchen, zwar ist das Netz klein genug aber viel zu langsam und die Koordination eines Menschen bei weitem nicht schnell genug, um die kleine Grundel mit dem Netz zu fangen.

Das 12 cm Netz ist viel zu groß um zu versuchen eine Fisch in dem 60L Cube zu fangen und so ist es schnell klar, das man mit Schnelligkeit wohl nicht schaffen wird. Also muss man zu Tricks greifen. Das Ködern mit Futter, ist dabei sehr hilfreich doch reicht es nicht, um die schnelle Grundel auch ins Netz zu bekommen, bei jeder noch so kleinen Bewegung selbst außerhalb des Beckens entschwindet sie in die nächste Höhle.

Tja, Höhlen und Verstecke gibt es reichlich bei mir, will ich doch den Tieren ein möglichst gutes Zuhause bieten. Jetzt verfluche ich natürlich all die Vielen verwinkelten Ecken im Riff und schon schweifen die Gedanken zu Miniaturharpunen ab, während die Seriatopora immer weniger Polypen hat und immer mehr kahle Äste.

Schließlich entschied ich mich, trotz des rapide ansteigenden Schadens an der Koralle, für eine langsame Ködermethode. Dazu stellte ich das große 12 cm Netz oben auf das Riff, sehr in die Nähe des Platzes an dem die Korallengrundel in der Regel saß (Beitragsbild, ganz oben).

Dann wartete ich über Nacht, so das die Grundel sich an die Anwesenheit des Netzes gewöhnen konnte. Am nächsten morgen gab ich etwas gefrorene Artemia in das Netz und schaltete die Strömungspumpe vorher aus. Nach etlichen Minuten begann die Grundel sich dem Netz zu nähern. Jetzt bloß nicht die Geduld verlieren und versuchen die Grundel durch ein schnelles hoch reißen des Netzes zu fangen, dass wird scheitern. Kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen und danach dauert es nochmal ewig bis die sich wieder dem Netz nähert.

Nein, viel besser ist es gottesanbeterinnengleich zu lauern und in ca 1 mm pro Minute die Hand zum Netzgriff führen und zu warten bis die Grundel ganz im Netz ist und schon etwas frisst. Besser noch man beißt sich noch etwas mehr auf die Lippe und lässt sie noch etwas länger fressen. In jedem Fall ist jegliche Bewegung die schneller als zeitlupenartiges Schneckentempo ist, absolut zu vermeiden. Erst wenn die Grundel sich unbesorgt über das Futter hermacht und alle Vorsicht aufgegeben hat, genau erst dann wird das Netz mit einer blitzartigen Bewegung nach oben gerissen und die Grundel ist gefangen. Sollte euch dabei, wie mir beim x-ten Versuch, der Arm fast eingeschlafen sein und ihr wart zu langsam dann einfach alles nochmal wiederholen, und keine Angst nach ein paar Stunden seid ihr wieder am gleichen Punkt wie eben, nur diesmal durch Mikromuskelbewegungen Blut in den Arm pumpen bevor ihr versucht das Netz emporzureißen.

Endlich geschafft, nach langem Ringen ist die Grundel in ihrem temporären „Becken“. Jetzt nur noch schnell ein schönes neues Zuhause finden und alle können glücklich sein.

Ich weiß es ist schwer immer wieder geduldig zu warten und die Miniharpunen sind so verlockend, aber es ist mit dieser Taktik, wie das Beweisbild zeigt, möglich auch einen so schnellen Fisch wie die Gobiodon okinawae lebend zu fangen.

Natürlich gibt es noch weiter Komplikationsmöglichkeiten. Solltet ihr viele Fische in eurem Riff haben, dann sind wahrscheinlich alle Fische im Netz außer den Übeltäter den ihr erwischen wolltet. Leider habe ich hier keine Erfahrung und kann euch nur empfehlen nach einigen Stunden Pause (zum ruhig werden) es erneut zu versuchen.

Also zusammengefasst:

  • möglichst großes Netz

  • Netz in Nähe des Ruheplatzes oder Aufenthaltsplatzes des Fisches anbringen

  • Mehrere Stunden warten

  • Frostfutter als Köder ins Netz bringen

  • Warten bis Fisch entspannt im Netz frisst

  • Schnell Fisch mit Netz aus dem Wasser ziehen und in vorbereitetes Becken, Beutel, Eimer geben

  • Ausruf der Erleichterung, das es vollbracht ist, ausstoßen

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