Spurenelemente zusätzlich dosieren?

Es gibt eine Vielzahl von Zusatzprodukten nahezu jedes Herstellers der Meerwasserprodukte anbietet, die noch leuchtender Farben und schnelleres Wachstum der Korallen verspricht. Oft wird dabei mit genau der richtigen Zusamensetzung aller wichtigen Spurenelemente für Korallen geworben.

Glaubt man den Angaben auf den Meerwassersalzen dann enthalten die Salzmischungen schon alle notwendigen Spurenelemente um leuchtend-kräftig gefärbte Korallen zu haben. Jedoch verbrauchen die Korallen die Spurenelemente und der oft 14-tägig erfolgende Wasserwechsel von ca 10% des Beckenvolumens reicht bei weitem nicht aus den Verbrauch auszugleichen. Das heißt wir müssen Spurenelemente genauso wie die Makroelemente nachdosieren um eine konstante Konzentration von ihnen zu gewährleisten.

Brauchen wir die Spurenelemente?

Dies ist eine berechtigte Frage, immerhin ist nur von einigen wenigen Spurenelementen bekannt das sie wirklich wichtig und nützlich für die Korallen und anderen Bewohner unserer Riffe sind. Bei den meisten Elementen ist es aber nicht klar was sie genau bewirken und bei einigen wissen wir das es durchaus schädlich sein kann, wenn sie in zu hoher Konzentration vorliegen.

Auch nach einschlägiger Literaturrecherche bin ich leider nicht viel weiter gekommen als das Jod, Strontium und auch Barium wohl wichtig sind, manche Quellen sagen auch Vanadium sei wichtig, wobei es hier widersprüchliche Aussagen gibt. Um es kurz zu machen wir kennen die genaue Funktionsweise der Spurenelemente in den Korallen nicht. Aber wir wissen das in den natürlichen Riffen die Korallen gedeihen. Damit reicht es im Prinzip aus, die Spurenelementkonzentration in und auch um die Riffe zu messen, so dass wir in der Lage sind eine Konzentration für jedes Spurenelement zu kennen, die das gedeihen von Riffen ermöglicht. Dann brauchen wir nur diese Konzentration in unserem Aquarium aufrecht zu erhalten und es sollte klappen.

Oh ja richtig, das setzt natürlich voraus das auch all unsere anderen Faktoren sehr ähnlich wie in den Riffen sind, also vor allem die Beleuchtung, sowohl in Intensität als auch im Spektrum und der Dauer sind hier sehr wichtig. Wenn wir sehr blaulastige und starke Beleuchtung wählen die weit von dem in der Natur abweicht, dann werden vielleicht anderen Spurenelementkonzentarationen benötigt als hier beschrieben? Ja das“?“ ist richtig, denn in erster Näherung ist die Konzentration egal, solange das Element ausreichend vorhanden ist. Die Verbräuche der einzelnen Spurenelemente sollten nur steigen, so sie denn eine Rolle für die Koralle und ihrer Widerstandskraft gegen intensive Lichtbestrahlung spielen.

Es bleibt festzuhalten, die in und um natürliche Riffe gefundene Spurenelementkonzentration sollte auch im Aquarium angestrebt werden und dann erhalten bleiben.

Wieso reich der regelmäßige Wasserwechsel nicht aus?

Die meisten Meerwasseraquarianer wechseln regelmäßig einen kleinen Anteil ihres Aquarienwassers gegen frisch angesetztes Salzwasser aus. Dabei verwenden wir in der Regel ein qualitativ gutes Markensalz. Welches spielt hier für die Betrachtung keine Rolle. Die Makroelemente (Ca, Mg) sind dabei oft erhöht aber die Spurenelemente sollen denen im natürlichen Meerwasser entsprechen. Was heißt das für den Spurenelementhaushalt im Riff und den Wasserwechsel? Dies kann leicht ausgerechnet werden und ich habe das mal in ein Python Script geschrieben und die unteren Plots erstellt.

Der oberste Plot zeigt die Änderung der Spurenelementkonzentration vom ursprünglichen Wert des Salzes (1.0) mit der Zeit. Dabei wurde angenommen das 1% der Ausgangsmenge des Spurenelements pro Tag verbraucht werden. Die 3 farbigen Kurven stehen für unterschiedliche Wasserwechselmengen (Waserwechsel=WW) alle 14 Tagen. Es ist schnell klar das es schon 50% WW sein müssten um diesen Verbrauch von Spurenelementen zu decken. Das ist aber selbst bei kleinen Nanoriffen schwer umsetzbar, da bei 50% WW (dieser muss immer auf ein Mal erfolgen) sicher ein größerer Teil des Riffs trocken fallen würde.

Die mittlere und untere Grafik zeigen, das alle Spurenelemente die weniger als 0.1% des Ursprungswertes pro Tag verbrauchen gut durch reguläre WW ausgeglichen werden können, wobei hier ein 5% WW alle 7 Tage deutlich kleinere Schwankungen verursacht als 10% alle 14 Tage. Für alle Spurenelemente die sich schneller Verbrauchen, muss man separat zudosieren.

Wie bestimme ich den Spurenelementverbrauch?

Welche Spurenelemente sich wie schnell verbrauchen ist nicht einfach durch Recherche zu finden, einige wie Jod sind nicht lange haltbar im Wasser und müssen oft zudosiert werden. Am einfachsten kann der Verbrauch durch eine Laboranalyse bestimmt werden. Genauer gesagt sind leider 2 dicht aufeinander folgende Laboranalysen notwendig. Dazu geht ihr am besten wie folgt vor. Ihr seid entweder bereits bei einer 0 Konzentration dann dosiert ihr einfach die Spurenelemente irgendeines Anbieters in vorgeschriebener Dosierung oder ihr steht noch ganz am Anfang und seht aus den obigen Plots das noch alle Spurenelemente vorhanden sein sollten.
Jetzt nehmt ihr eine Wasserprobe und schickt diese an das Labor eurer Wahl. Danach bekommt ihr die Ergebnisse dieser ersten Analyse, jetzt wartet ihr einige Tage in denen ihr keine WW macht, also den regulären WW aussetzt, wie lange, nun ja das hängt von den kleinsten uns noch interessierenden Verbrauch und der Genauigkeit eurer Laboranalyse ab. Die Analyse wird nicht genauer als 2-5% sein also sollte mindestens ein dreimal so hoher Verbrauch stattgefunden haben. Aus den obigen Plots wissen wir das nur Spurenelemente die mindestens 0,1% oder mehr ihrer Anfangsdosierung benötigen interessant sind, alles andere wird durch WW ausgeglichen. Das heißt wir müssen ca 60 Tage ohne Wasserwechsel auskommen um die kleinsten noch benötigten Konzentrationsabnahme der Spurenelemente zu messen. Geben wir aber nur einen Laboranalyse nach 60 Tagen ab ohne WW dann werden alle Spurenelemente die mehr als 1,6 % ihrer Ausgangskonzentration pro Tag verlieren nicht mehr in der zweiten Laboranalyse nachgewiesen. Das stellt uns vor ein Problem, wir können damit nur die Dosiermenge für Spurenelemente mit Verbräuchen zwischen ca. 1,5% und 0,1% messen. Um auch die schneller schwindenden Spurenelementverbräuche bestimmen zu können benötigen wir noch Zwischenmessungen. Ihr seht schon das artet richtig ins Geld aus, vor allem da sicher die Verbräuche mit zunehmenden Korallenwachstum auch ansteigen und somit regelmäßige Kontrollmessungen nötig sind. Finanziell vielleicht noch machbar wären 3 Laboranalysen am Tag 1 zur Ausgansmengen bestimmung, dann 15 Tage später, hier sollten alle Elemente mit Verbräuchen von 5% bis zu 1,5 % der Ausgangsmenge pro Tag korrekt erfasst werden, dann nach 60 Tagen eine dritte Analyse für alle restlichen relevanten Spurenelementverbräuche. Alle Analysen sollten im gleichen Labor gemacht werden, damit Systematische Fehler minimiert werden.

Wie Spurenelemente richtig dosieren?

Dies ist sicher einer der schwierigsten Punkte. Es gibt zwar einige Spurenlemente als Einzellösungen zu kaufen aber diese sind recht teuer und dann braucht man entweder viele Dosierpumpen oder man mischt sich aus den Einzellösungen eine für sein Aquarium und den vorher ermittelten individuellen Verbrauch eine eigene Mischung.

Dazu bestimmt man für alle Spurenelemente den täglichen Verbrauch und gibt entsprechend eine Menge der Einzellösung in die eigene Mischung. Das setzt aber voraus, dass die Konzentration der Einzellösung bekannt ist.

Leider kann es aber auch zu Wechselwirkungen zwischen den verschiedenen Spurenelementen kommen. In Pulverform sind diese alle in unserem Meerwassersalzen zusammen vorhanden aber in gelöster Form könnte es zu Ausfällungen kommen. Auch hier müsste eigentlich eine kontroll Analyse erfolgen ob sich die eigens angemischte Lösung mit der Zeit verändert.

Ignorieren wir die Wechselwirkung der Spurenelemente für den Augenblick, dann ist die Methode der eigenen Anmischung recht attraktiv. Kann doch so eine passende Lösung hergestellt werden, die mit nur einer Dosierpumpe dosiert werden kann. Dabei empfiehlt es sich natürlich die angemischte Lösung noch soweit zu verdünnen, dass pro Tag mindestens 10 ml dosiert werden müssen. Durch die 10 ml Menge wird gewährleistet das kleine Schwankungen der Dosierpumpe nicht ins Gewicht fallen.
Es empfiehlt sich ebenfalls nur soviel Mischlösung anzurühren wie bis zur nächsten geplanten Laboranalyse wahrscheinlich verbraucht wird. Wahrscheinlich wird die Laboranalyse Abweichungen in den Spurenelementen von den erwarteten Werten zeigen, dies liegt an gestiegenen Verbräuchen oder auch an anderen Faktoren (andere Korallenzusammensetzung, neue Quellen von Metallen durch Technik ect). Nach dieser Laboranalyse kann aus den Einzellösungen eine neue Mischung erstellt werden, die die Veränderungen berücksichtigt.

Wem dies zu umständlich ist (dies ist nicht nur ein finanzieller sondern auch zeitlicher Aufwand) der kann auch auf vorgefertigte Spurenelement Mischungen zurückgreifen und diese entsprechend seinen Verbräuchen anpassen. Jedoch bleibt hier zu berücksichtigen das eine Überkonzentration von Spurenelementen eher abträglich für das Wohlbefinden der Korallen ist. Also besser vorsichtig dosieren und die Dosis erhöhen wenn die nächste Analyse noch einen Mangel anzeigt.

Fazit

Wer sich die Spurenelementverbräuche mit Laboranalysen bestimmt, der kommt mit ca 100 Euro für die drei Analyse hin. Dazu kommen dann noch die Spurenelemente und eine Dosierpumpe. Dazu alle paar Monate eine Analyse. Dies ist sicher ein gewisser Kostenfaktor des Hobbys aber es garantiert auch eine recht ausgeglichenen Haushalt an Spurenelemente. Allerdings ist der Zeitfaktor nicht zu unterschätzen, da sich VErbräuche durch ständiges Korallenwachstum auch immer Ändern werden und da die Korallen nicht linear zunehmen wird das immer häufigere Analysen benötigen um den korrekten Verbrauch zu bestimmen.
Bleibt nur zu hoffen das sich irgendwann ein Verbrauch stabilisiert und das Wachstum asymptotisch stoppt. Die einzige andere Alternative ist ein ganzheitliches Versorgungssystem, das auch den Spurenelementhaushalt berücksichtigt, ob diese aber besser funktionieren weiß ich nicht, im Endeffekt ist die hier vorgeschlagene Methode sehr sicher, wenn auch aufwändig.

 

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